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      Der Bau von "Selfbows"

 

Der obige Bogen ist der Robinienbogen des Bogenbaukurses, nachdem das Holz schwarz gebeizt und erneut verschliffen wurde. Ich merkte bald, dass er mir etwas zu stark geworden war und hinten raus unangenehm "stackte", was dem Erlernen des Schießens nicht gerade zuträglich war. Unser eigenes, selbst gespaltenes Holz war noch zu feucht, um es schon zu verarbeiten. So kam uns der traditionelle Bogenmarkt im Mai 2006 in Teublitz gerade recht. Ich erwarb einen mächtigen Spaltling und einen vorgesägten Stave aus Kirsche.  Kirsche ist kein allzu bekanntes Bogenholz, weil es in den erforderlichen Ausmaßen nur selten als brauchbarer Stave zu bekommen ist. Es ist nicht das stärkste Holz, aber die Literatur sagt dass es im Vergleich zu seinem Gewicht ein verdammt gutes Holz ist. "Kirsche ist'n ehrliches Holz, das sagt Dir, was Du falsch machst", meine der Verkäufer. Ich ging daheim sofort auf den vorgesägten Stave los. Die Jahresringe am Anschnitt waren kaum zu erkennen, und der Rücken war der Bast, der beim Abziehen der Rinde noch anhaften blieb. Ich zog ihn vorsichtig mit der Ziehklinge runter, und war mit dem Ergebnis zufrieden: Der äußerste Ring sollte gleich der Bogenrücken werden. Ich wollte weit auf die sichere Seite gehen (Paul Comstock lässt grüßen...), und so machte ich den Bogen satte 1,90m lang...etwas über meiner Körpergröße! Entgegen den Dimensionen des ersten Robinienbogens nahm ich die Werte für den Flachbogen aus Hillary Greenlands Handbuch mit ca. 2cm Wurfarmdicke am Griff und ca. 1cm an den Wurfarmenden. Beim Tillern kam ich überhaupt nicht zurecht. Der Bogen bog sich nur an den Wurfarmenden, ein furchtbarer Peitschentiller. Ich zog zum Griff hin mehr runter, aber die Enden blieben weich. Mir fehlte die karierte Tillerwand, und so erkannte ich eine Schwachstelle am Wurfarmende erst sehr spät, so dass ich nichts mehr retten konnte. Der Bogen war an der Stelle schon überlastet, und ist dann auch nach ein paar Sekunden aufgespannt im Tillerbrett gebrochen. Wie war das...Kirsche sagt Dir Deine Fehler! Ich habe ihn an der Bruchstelle abgesägt und auf der anderen Seite das gleiche Stück abgenommen. Übrig blieben 1,54m Gesamtlänge. Ich beschloss, dass es ein Damen/Jugendbogen werden soll. Ich hab ihn auf 25 Pfund bei ca. 24 Zoll Auszug getillert. In der Hand ist er ein Hauch von nichts, schießt sich aber mit leichten 5/16" Pfeilen sehr schön weich. Die Kirsche zeigte erst nach dem Feinschliff und dem Ölen ihre ganze Schönheit.

Hier ein Bild der Griffpartie mit Übergang Kernholz/Splintholz.

Nun war da noch der riesige Kirsch-Spaltling übrig. Der Wuchs war leicht reflex, ein schönes Stück. Ich traute mich aber nicht, 2 Bögen daraus zu bauen. Ich beschloss, dass es ein Bogen nach dem "Meare Heath" Design aus der Steinzeit werden sollte. Dieser Bogen wurde aus einem Moor in England geborgen, so dass ein Einblick in die Bogenbautechnik der Steinzeit gewonnen werden konnte. Die Wurfarme sind dabei extrem breit und flach, und verjüngen sich erst  sehr spät mit einem Knick.

Um dem historischen Vorbild gerecht zu werden wurde der riesige Prügel mit einem Beil zum Rohling herunter gearbeitet. Das geht erstaunlich schnell, und staubfrei! Das entfernen von 5 Jahresringen war sehr unangenehm und gelang nur bei guten Lichtverhältnissen. Hier ist äußerste Vorsicht geboten. Früh- und Spätholz heben sich kaum ab und die Jahresringe sind dünn!  Die Sehnenaufnahme sollte wie beim Original in Zapfenform ausgebildet werden. Der Bogen wurde 1,68m lang, und ich machte zuerst die Wurfarme satte 6,5 cm breit. Das sah toll aus, wurde aber beim Tillern zunehmend "schwammig". Es stimmt, was die Literatur vermittelt:  Ab einem Verhältnis von Wurfarmbreite/Dicke von 4:1 wird es kritisch.  Man hatte das Gefühl die Wurfarme machen ein Fragezeichen beim Auszug. Der Bogen war aber immer noch viel zu stark, so beschloss ich die Wurfarmbreite auf 5,5cm runterzuarbeiten. Nun verhielt sich der Bogen wieder brav, ohne Verdrehungen, und ich tillerte ihn auf 45 Pfund bei 28". Als Stilbruch kann man die Pfeilauflage aus Wasserbüffelhorn bezeichnen. Aber der Bogen sollte nicht als Museumsstück dienen, sondern einem Anfänger das Schießen ermöglichen! Das Griffstück wurde mit Wildleder umwickelt und am Rücken vernäht. Der Bogen zieht sich butterweich aus, kein Stacking und kein Handschock. Manchmal treffe ich mittlerweile sogar!